Der Hypermotorische Anfall
Eine andere Bezeichnung dafür ist: frontal komplex fokaler Anfall, (Sitz im Stirnbereich = Bewegungzentrum).
Das Bewußtsein kann während der ganzen Zeit erhalten sein, ist meist jedoch eingeschränkt.
Diese Anfallsart kann in jedem Lebensalter beginnen. Die Anfälle selbst beginnen meist plötzlich und sind ziemlich kurz. Viele können nach kurzer Verwirrung relativ schnell wieder auf ihre Umwelt reagieren und haben höchstens Anzeichen von Ermattung.
Häufig werden die Anfälle von einer kurzen Aura von weniger als 30 Sekunden eingeleitet. Typisch ist ein gehäuftes immer gleiches Auftreten, vor allem im Schlaf. Es gibt öfter Tendenzen zu Serien oder zum Status.
Diese Anfälle kommen oft zusammen mit anderen Anfallsarten vor. Im Anschluß kommt es häufig zu generalisierten Krampfanfällen.
Wie sieht der Anfall aus?
Die Erscheinungsform dieser Anfallsart hängt mit ihrem Ursprung direkt im Bewegungszentrum zusammen.
Die Bewegungen sind sehr heftig, oft unkoordiniert und ziellos, bizarr, chaotisch, z.B.:
![]() | mit dem Mund: lautes Schreien, Stöhnen, Jammern, Schimpfen, auch obszöne Worte |
![]() | mit dem Gesicht: weit aufgerissene Augen, Errötung, (Zeichen furchtbarer Angst und äußersten Schreckens). |
![]() | mit den Beinen: Strampeln, Treten, aber auch Davonrennen und sich Verbergen |
![]() | mit den Armen: Schlagen und Fuchteln, Reiben an den Genitalien |
![]() | mit dem Körper: Wälzen und Wühlen, koordiniert mit Gegenständen werfen |
![]() | mit dem Becken: rhythmische Bewegungen, zum Teil in Knie- Ellenbogenlage, |
Alles erzählen
Die Diagnose des hypermotorischen Anfalls ist sehr schwierig und auch für einen erfahrenen Arzt oft nur in Zusammenhang mit dem EEG möglich. Deshalb ist eine genaue Beschreibung Ihrer gesamten Handlungen und Gefühle in Zusammenhang mit einem Anfall besonders wichtig und aufschlußreich, auch wenn diese Ihnen manchmal unangenehm sind oder ein Zusammenhang Ihnen seltsam erscheint. Manchmal wird diese Anfallsart als "hysterisch" bezeichnet, häufig wird sie mit psychogenen (psychisch ausgelöste nicht epileptische) Anfällen verwechselt, da das EEG oft unauffällig ist.
Behandlung
Der hypermotorische Anfall ist nicht immer sofort einzustellen, Sie müssen Geduld haben, falls die Medikamenteneinstellung nicht gleich klappt.
Falls bei Ihnen schon Anfallsserien oder ein Status aufgetreten sind, sollten Sie Diazepam o.ä. bereit haben.
Falls die medikamentöse Einstellung keinen Erfolg bringt, ist manchmal eine Epilepsieoperation möglich.
Vorzeichen Aura
Vielleicht können Sie sich durch eine Aura oder einen Rest von Handlungsfähigkeit am Anfang noch hinsetzen oder auf den Boden legen, den Raum verlassen, Umstehenden Bescheid geben. Dadurch sind Sie im Alltag wesentlich weniger eingeschränkt (siehe Info Aura).
Die Umwelt informieren, sich helfen lassen
Sie werden auf mehr Verständnis stoßen, wenn Sie möglichst vor dem Auftreten der Anfälle die Umstehenden oder Bekannten/Kollegen auch über evtl. peinliche Aktionen von Ihnen, wie Schreien, Schlagen, Werfen mit Gegenständen, obszöne Worte, u.a. informieren. Eine Karte mit Informationen über Ihren Anfall, die Sie bei der Aura aushändigen, kann Ihnen behilflich sein.
Die beste Hilfe während des Anfalls ist meist, gefährliche Gegenstände aus dem Weg zu räumen, Sie an die Hand/in den Arm zu nehmen, jedoch nicht gewaltsam!. Während des Anfalls könnten Sie sich durch Worte oder Festhalten vielleicht gestört fühlen.
Sagen Sie Ihren Bekannten, ob Sie nach dem Anfall Hilfe benötigen und welche.
Einen Arzt oder unterbrechende Medikamente benötigen Sie erst, wenn Sie länger als eine halbe Stunde nicht wieder bei vollem Bewußtsein und reaktionsfähig sind, oder wenn bei Ihnen aus Erfahrung die Tendenz zu Serien besteht.
Vorsichtsmaßnahmen
Ein Elektroherd schützt besser vor Verbrennungen als ein Gasherd, kochen auf den hinteren Flammen ist sicherer. Es gibt Herde mit Abschaltautomatik. Vermeiden Sie offenes Feuer in der Wohnung (Kerzen, Rauchen). Sie sollten nur unter Aufsicht schwimmen und baden.
© Landesverband Epilepsie Berlin-Brandenburg gem. e.V.
Letzte Aktualisierung: 22.06.2010
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