Deutsche
Epilepsievereinigung
Landesverband
Epilepsie
Berlin-Brandenburg e.V.

Der Klonische Anfall

Das Haupterkmal dieser Anfälle sind die Muskelzuckungen (Kloni). Diese können in einer oder mehreren Muskelgruppen auftreten, beidseitig, oder am ganzen Körper. Im Gegensatz zum myoklonischen Anfall (kurze ruckartige Zuckungen - die Abgrenzung ist nicht immer ganz eindeutig), sind die Zuckungen bei einem klonischen Anfall typischerweise rhythmisch und anhaltend. Sie sind an den betreffenden Körperteilen deutlich sichtbar, z.B. an Augenlid, Gesichtshälfte, Armen und/oder Beinen, bzw. am ganzen Körper.

 

 

Zuckungen mit Bewußtseinsverlust

Der klonische Anfall hat vom Erscheinungsbild Ähnlichkeit mit dem großen Anfall, es fehlt jedoch am Anfang die Muskelverkrampfung (tonische Phase).

 

Es kann auch sein, daß Ihr Anfall mit Zuckungen beginnt und endet und dazwischen eine tonische Phase eingeschoben ist. Es kann sein, daß Ihre Zuckungen im Anschluß an Absencen auftreten (myoklonische Absencen), meist in minimaler Ausführung.

 

Erbliche Veranlagung: Diese Anfälle beginnen meist im 2. Lebensjahrzehnt ohne erkennbare Ursache, aber häufig mit erblicher Veranlagung. Diese Epilepsien haben sehr gute Heilungschancen.

 

 

Zuckungen ohne Bewußtseinsverlust

Diese werden auch Herdanfälle, genauer motorisch partielle Anfälle genannt. Sie können in jedem Lebensalter beobachtet werden. Dabei kommt es zu rhythmischen Zuckungen einzelner Körperregionen, z.B. Gesicht, Hand, Bein oder Fuß, je nachdem welcher Teil der motorischen Hirnrinde betroffen ist.

 

Nach dem Anfall ist der betroffene Körperteil nicht selten für eine kurze Zeit kraftlos und gelähmt, was sich in der Regel schnell wieder gibt.

 

 

Jackson Anfälle

Es kann sein, daß sich Ihre Zuckungen von einem Körperteil (z.B. einer Hand) auf andere Körperteile ausbreiten (z.B. den Arm oder die ganze Körperseite). Diese Anfälle werden traditionell Jackson-Anfälle genannt. Nicht selten schließt sich hier ein großer Krampfanfall an, bei dem Sie das Bewußtsein verlieren.

 

 

Behandlung

Der klonische Anfall braucht Ihre Geduld, bis die richtige Medikamentenauswahl getroffen ist.

 

Falls bei Ihnen schon Anfallsserien oder ein Status epilepticus, bzw. die Neigung dazu bekannt sind, sollten Sie Diazepam o.ä. bereit halten.

 

Falls die medikamentöse Einstellung keinen Erfolg bringt, ist eventuell eine Epilepsieoperation möglich.

 

Ursache: Bei dieser Art der Anfälle liegt meist eine Grunderkrankung des Gehirns vor, z.B. Tumor, Verletzung, Entzündung, oder eine Hirnschädigung vor oder bei der Geburt.

 

 

Die Umwelt informieren, sich helfen lassen

Wenn Sie während des Anfalls bei Bewußtsein sind und sprechen können, helfen den Anwesenden sicher ein paar erklärende Worte, um die Spannung und den Schrecken zu lösen (z.B. "das dauert nur ein paar Minuten", "Ihr könnt ruhig weitererzählen", o.ä.). Vielleicht finden Sie eine Methode, den Anfall zu unterbrechen oder sein Ausweiten zu verhindern (siehe Aura).

 

Können Sie während des Anfalls nicht reden, so werden Sie mehr Verständnis und damit bessere Hilfe finden, wenn Sie vor dem Auftreten der Anfälle Ihre Bekannten/Kollegen über Ihre spezielle Anfalllsart informieren. Sagen Sie Ihren Bekannten/Kollegen auch, ob Sie nach dem Anfall Hilfe benötigen und welche.

 

Einen Arzt oder anfallsunterbrechende Medikamente benötigen Sie erst, wenn Sie länger als eine halbe Stunde nicht wieder bei vollem Bewußtsein und reaktionsfähig sind, oder wenn bei Ihnen aus Erfahrung die Tendenz zu Serien/Staten besteht.

 

 

Vorsichtsmaßnahmen im Haushalt

Vermeiden Sie bei drohendem Bewußtseinsverlust offenes Feuer in der Wohnung (Gasherd, Kerzen, Rauchen). Es gibt Herde mit Abschaltautomatik. Das Kochen auf den hinteren Platten ist sicherer. Sie sollten nur unter Aufsicht schwimmen und baden.

 

Sind die Muskelzuckungen nur geringfügig und es besteht keine Gefahr des Bewußtseinsverlust, so spricht nichts gegen das Führen eines Autos. Besprechen Sie dies mit Ihrem behandelnden Arzt.

 

 

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