Der Myoklonischer Anfall
Das Hauptmerkmal dieser Anfallsart sind ruckartige Muskelzuckungen, die im Gegensatz zu Klonischen Anfällen (rhythmischen Zuckungen), typischerweise nicht rhythmisch sind, sondern einzeln oder in kurzen Salven auftreten (ein Status ist jedoch selten). Auf Myoklonien trifft man bei Kleinkindern mit sogenannten BNS-Anfällen bzw. West-Syndrom, beim Lennox-Gastaut - Syndrom oder beim älteren Kind und Erwachsenen beim Impulsiv-Petit mal.
Was ist das?
Myoklonien sind plötzlich auftretende, kurze Muskelzuckungen, die Sie in der Regel bewußt miterleben. Diese Zuckungen sind blitzartig, wie ein Stoß oder elektrischer Schlag, meist zusammen mit ruckartigem Anheben und/oder Strecken der Arme oder/und Finger aber auch der Beine oder des Kopfes. In der Hand gehaltene Gegenstände können dabei regelrecht fortgeschleudert werden. Myoklonien können auch zu unangenehmen Stürzen führen.
Myoklonien treten bevorzugt nach dem Erwachen beim Anziehen, Waschen, Zähneputzen oder beim Frühstück/Kaffeetrinken auf und hängen oft mit schlechtem Schlaf bzw.Schlafmangel zusammen.
Von Ihrer Umgebung werden diese Anfälle oft für nervöses Zusammenschrecken gehalten und meist nicht als krankhaft gewertet.
Nicht zu verwechseln
Verwechseln Sie Myoklonien nicht mit den völlig harmlosen Einschlaf- und Aufwachzuckungen, die meist im Zwischenstadium zwischen Wachsein und Schlafen auftreten. Diese Zuckungen können zwar so ausgeprägt sein, daß "das Bett wackelt" Myoklonien treten jedoch erst nach dem Aufwachen bzw. Aufstehen auf.
Erbliche Veranlagung
Myoklonien beginnen meist im 2. Lebensjahrzehnt ohne erkennbare Ursache, aber häufig mit erblicher Veranlagung. Diese kann aufgrund extremer Belastungen wie Stress, Schlafentzug etc. zum Vorschein kommen. Wenn sich diese persönlichen Situationen mit der Zeit beruhigen, kann die Anfallsbereitschaft zurückgehen. Diese Epilepsien haben gute Heilungschancen.
Behandlung
Treten Myoklonien isoliert auf, sind sie mit Medikamenten meist gut zu behandeln.
Etwas mehr Geduld brauchen Sie u.U. wenn bei Ihnen außerdem Absencen oder große Anfälle auftreten oder wenn ein plötzlicher Verlust der Muskelspannung mit den Zuckungen einhergeht.
Auch wenn diese Zuckungen auf eine Schädigung an einem Ort im Gehirn (fokal) zurückgehen, was selten vorkommt, brauchen Sie und Ihr Arzt mehr Geduld.
Eine Operation kommt meist nur in letztgenannten (fokalen) oder seltenen schweren (Sturz-) Fällen in Frage, wenn die medikamentöse Behandlung nicht zum Erfolg führt.
Myoklonie als Vorzeichen
Wenn bei Ihnen diesen Zuckungen in der Regel ein großer Anfall mit Bewußtseinsverlust folgt, können Sie vielleicht dies als Vorzeichen betrachten und noch reagieren (siehe Grand mal oder Aura).
Vorsichtsmaßnahmen im Alltag
Treten diese Zuckungen nur morgens vereinzelt und ohne Bewußtseinsverlust auf, spricht nichts gegen einen normalen alltäglichen Tagesablauf (Beruf, Familie, Freizeit, Führen eines Autos) in der übrigen Zeit. Besprechen Sie dies mit Ihrem behandelnden Arzt.
Vielleicht schaffen Sie es, zu einem ruhigeren Schlafrhythmus zu gelangen. Weiterhin können Sie diesen kritischen Punkt am Morgen evtl. durch langsames Aufstehen, zweifaches Wecken, o.ä. überwinden. Treten die Zuckungen häufig auf, so ist einfaches Geschirr (nicht gerade Meissen) sinnvoll. Sie sollten nur unter Aufsicht schwimmen und baden.
© Landesverband Epilepsie Berlin-Brandenburg gem. e.V.
Letzte Aktualisierung: 22.06.2010
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