Deutsche
Epilepsievereinigung
Landesverband
Epilepsie
Berlin-Brandenburg e.V.

Der Psychomotorische Anfall

Der Name beschreibt die Art des Anfalls: Psyche (=Empfindung), Motorik (= Bewegung). Andere gebräuchliche Namen sind: Dämmerattacken, komplex-fokale oder komplex partielle Anfälle, Temporal- oder Schläfenlappen-Anfälle,.

 

Diese Anfallsart ist die häufigste Epilepsieart im Erwachsenenalter. Sie kann in jedem Alter beginnen, häufig jedoch erst bei älteren Jugendlichen und im Erwachsenenalter.

 

Die Anfälle beginnen oft mit einem Vorgefühl (Aura) und dauern normalerweise mehrere Minuten. Dann folgt eine Phase, in der viele noch nicht völlig orientiert sind und sich müde fühlen. Häufig treten Kopfschmerzen auf. Dieser Zustand kann bis zu 20 Minuten dauern.

 

 

Was passiert da?

Während des Anfalls ist die Koordinationsfunktion des Gehirns teilweise gestört. Es kommt häufig zu typischen gängigen Bewegungsabläufen, die für sich genommen sinnvoll sein können. Sie sind in der Anfallssituation jedoch oft völlig unangebracht.

 

Diese Koordinationsstörungen können die ganze Spannbreite der Funktionen des Gehirns umfassen. Dementsprechend unterschiedlich sind die individuellen Erscheinungsformen, z.B.:

Dies alles geschieht bei eingeschränktem Bewußtsein.

 

 

Alles erzählen

Da der psychomotorische Anfall selbst für den Arzt Schwierigkeiten bei der Diagnose bringt, ist eine genaue Beschreibung Ihrer gesamten Handlungen und Gefühle in Zusammenhang mit einem Anfall besonders wichtig, auch wenn diese Ihnen sehr seltsam vorkommen und eventuell peinlich sind.

 

 

Behandlung

Der psychomotorische Anfall ist oft, aber nicht immer gut zu behandeln. Sie müssen Geduld haben, falls die Medikamenteneinstellung nicht gleich klappt. Falls eine medikamentösen Einstellung keinen Erfolg bringt, haben Sie unter Umständen die Chance einer erfolgreichen Epilepsieoperation.

 

 

Vorgefühl/Aura

Vielleicht können Sie sich durch eine Aura oder einen Rest von Handlungsfähigkeit am Anfang noch schnell reagieren und z.B. Umstehende informieren. Dadurch sind Sie im Alltag wesentlich weniger eingeschränkt (siehe Info Aura).

 

 

Die Umwelt informieren, sich helfen lassen

Sie werden auf mehr Verständnis stoßen, wenn Sie möglichst vor dem Auftreten der Anfälle die Umstehenden oder Bekannten/Kollegen auch über evtl. peinliche Aktionen von Ihnen, wie Grimassen scneiden, sinnloses Gerede, u.a. informieren. Eine Informationskarte, die Sie bei der Aura aushändigen, kann Ihnen behilflich sein.

Sagen Sie Ihrer Umgebung, daß man Ihnen am besten hilft, indem man Sie vorsichtig an die Hand/in den Arm nimmt und sachte aus dem Gefahrenbereich führt, jedoch auf keinen Fall gewaltsam!

Fragen Sie Ihre Bekannten, ob Sie auf Festhalten und Ansprechen gereizt und heftig reagieren oder ob Sie zwischenurch auch ein wenig ansprechbar sind, so daß Sie Ihre Handlungen ändern, sich z.B. auf Aufforderung setzen.

Sagen Sie Ihren Bekannten, welche Hilfe sie nach dem Anfall benötigen, z.B. Ruhe, Schlaf, Orientierungshilfe durch Fragen, Berühren. Bei starken Kopfschmerzen kann ein entwässernder Tee (z.B. Brennessel) oder ein kalter Umschlag Ihnen Erleichterung bringen.

Einen Arzt oder anfallsunterbrechende Medikamente benötigen Sie erst, wenn Sie länger als eine halbe Stunde nicht wieder ganz in Ordnung sind, oder wenn aus Erfahrung im Einzelfall sich aus kleinen Anfällen mehr als ein großer Anfall entwickelt.

 

Vorsichtsmaßnahmen

Vor Verbrennungen im Haushalt schützen Sie sich, wenn Sie möglichst offenes Feuer (Kerzen) vermeiden: Ein Elektroherd schützt besser vor Verbrennungen als ein Gasherd. Es gibt Herde mit Abstellautomatik. Vorsicht beim Rauchen. Sie sollten nur unter Aufsicht schwimmen und nicht baden sondern duschen.

 

 

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