Vorgefühl (Aura)
Das Wort kommt aus dem Griechischen und bedeutet soviel wie "Lufthauch". Als Auren bezeichnen Ärzte veränderte Wahrnehmungen der Sinne und Gefühle. Sie stellen oft den Beginn eines Anfalls dar und werden deshalb auch Vorgefühle genannt. Während einer Aura sind Sie noch bei Bewußtsein.
Auren sind seltsame Gefühle
Die Auren sind individuell sehr unterschiedlich, für den Einzelnen aber charakteristisch. Es kann sich dabei handeln um:
- ein "aufsteigendes" Gefühl vom Bauch, Brust, Rücken, Beinen,
- ein Kribbeln im Arm oder Bein,
- Sehen von Licht- oder Farberscheinungen,
- Perspektivveränderungen, Gesichtsfeldeinschränkungen,
- Hören von Musik, Stimmen, Geräuschen,
- Halluzination von Szenen, Imaginationen
- Zeitlupenempfindung, "Käseglockengefühl"
- Geruchs- und Geschmacksempfindungen
- Fremdheit von Bekanntem, scheinbare Vertrautheit oder Wiedererkennen von unbekannten Dingen oder Situationen (Deja-vu).
- Stimmungsveränderungen mit Glücks- oder Angstempfinden
Vielleicht haben Sie Auren, die einige Sekunden oder Minuten dauern. Es kann sein, daß Ihre Auren so kurz sind, dass Sie diese bisher gar nicht bewußt wahrgenommen haben.
Auren können auch ohne folgenden Anfall so intensiv sein, daß Sie diese als starke Einschränkung empfinden und behandeln lassen.
Ihre Partner, Freunde und Bekannte werden diese Zustände meist nicht feststellen können, höchstens indirekt durch Ihr Erschrecken oder Innehalten im Gespräch.
Eine Aura unterscheidet sich durch den direkten Zusammenhang mit dem Anfall von anderen Vorzeichen (Prodromi). Diese können Sie eventuell schon Stunden bis Tage vor dem Anfall bei sich entdecken, in Form von starker Unruhe, Verstimmung, Konzentrations-, Schlafstörungen oder ähnlichem.
Hinweis auf die Anfallart
Die Aura ist ein kleiner milder Anfall und deutet auf eine Epilepsie hin, die von einem speziellen Punkt im Gehirn (fokal) ausgeht. Eine genaue Beschreibung dieser Aura hilft Ihren Ärzten bei der Diagnose der Epilepsieart und erleichtert die Medikamenteneinstellung.
Warnzeichen
Im Alltag kann eine Aura für Sie sehr hilfreich sein, wenn Sie sie als Warnzeichen für den folgenden Anfall nehmen, um sich noch schnell in Sicherheit zu bringen: z.B. indem Sie sich auf den Boden legen, auf einen Stuhl setzen, anderen Bescheid geben, gefährliche Gegenstände weglegen, Maschinen, Küchengeräte ausschalten, o.Ä.
Selbstkontrolle
Eine Aura ist eine gute Voraussetzung für den Erfolg der Selbstkontrolle. Ziel dieser Methode ist es, eine möglichst frühe Wahrnehmung der Aura zu ermöglichen, um die nachfolgende Anfallsentwicklung oder Aura selbst zu unterbrechen. Der nächste Schritt ist, eine auf die Auraempfindung abgestimmte Verhaltensweise (Gegenmittel) zu entwickeln. Haben Sie ein wirksames Gegenmittel für sich gefunden, üben Sie den sofortigen Einsatz bei Auftreten der Aura, um schließlich damit den folgenden Anfall abzuwehren.
Dies erfordert oft viel Geduld, Zeit und Training. Aber es lohnt sich und stärkt das Sicherheitsgefühl. Näheres über die Deutsche Epilepsievereinigung, (Kontakt).
© Landesverband Epilepsie Berlin-Brandenburg gem. e.V.
Letzte Aktualisierung: 22.06.2010
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